Stadt von morgen

Die Corona-Krise hat ganz unterschiedliche Auswirkungen gehabt. Gerade der Lockdown hat viele Menschen zum Umdenken gebracht und sie neue Prioritäten setzen lassen. Auf einmal wurde das Shoppen weniger wichtig, dafür war man lieber draußen und am besten in der Natur unterwegs. Man bewegte sich auf anderen Wegen fort als gewohnt, und der Lieferverkehr bekam einen anderen Stellenwert. Sind das die Vorboten einer Stadt der Zukunft?

Die Stadt von morgen – verstopfte Straßen, neue Wege

Wie haben sich die Städte in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt? Der Verkehr nimmt immer mehr zu, Staus sind an der Tagesordnung und die öffentlichen Verkehrsmittel sind häufig überfüllt. Platz für Fahrräder ist kaum, Baulücken, in denen früher die Kinder spielten, sind überhaupt nicht mehr zu finden. Der öffentliche Raum ist zugebaut, die Konflikte um den Verkehrsraum werden immer schärfer. Corona brachte dem Versandhandel einen Boom, der sich in einem verstärkten Lieferverkehr niederschlägt. Das gibt den Verkehrsexperten neuen Ansporn, die schon länger darüber diskutieren, wie die sogenannte „letzte Meile“ besser organisiert werden kann. Sie muss an die Verkehrsverhältnisse in den Städten besser angepasst werden, so die Meinung.

Nun ist eine aktuelle Studie am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner veröffentlicht worden, ihr Titel: „Logistik und Mobilität in der Stadt von morgen“. Ganz konkret ging es dabei um die Frage, wie die letzte Meile sinnvoller gestaltet werden kann. Vergleichen wurden drei Vorschläge:

  • die Nutzung von anbieteroffenen Mikrodepots und Paketstationen 
  • das Teilen von Verkehrsmitteln 
  • die Produktion von Konsumgütern direkt in der Stadt

Doch wie lassen sich solche in andere innovative Ideen eigentlich überprüfen? Im Rahmen der Studie wurden die Vorschläge mit einem alternativen Wohn- und Gewerbeprojekt in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg praktisch erprobt.

Folgende vorläufige Ergebnisse brachte die Studie rund um die Ideen für die Stadt von morgen:

  1. Drohnen und unterirdische Zustellwege wurden mit Skepsis betrachtet. 
  2. Mikrodepots und Paketstationen wurden als wirksam eingestuft. Sie müssen jedoch sicher und leicht zu bedienen sein. Zudem sollten sie mit nachhaltigen Verkehrsmitteln zur Abholung erreichbar sein. 
  3. Das Sharing von Fahrzeugen wurde als nachhaltig beurteilt. Allerdings sind hier die Städte am Zug, etwa wenn es darum geht, Carsharing-Stellplätze bereitzustellen.
  4. Die Produktion in der Stadt, was bei Lebensmitteln und Kleinserienprodukten möglich wäre, kann in der Stadt von morgen nur eine Chance haben, wenn gemischte Flächennutzungen von Wohnen und Gewerbe realisiert werden können.

Noch ist es offen, wie in der Stadt von morgen der Lieferverkehr organisiert sein wird. Vielleicht gibt es ein Nebeneinander verschiedener Ideen. Was denken Sie?

(Foto: © Stocksnap, Pixabay)