Lebensqualität: Das Glück liegt im hohen Norden

Der Weltglücksbericht weist jedes Jahr im Frühjahr darauf hin, dass der Erfolg von Ländern am Glück des Volkes gemessen werden sollte. Seit der Veröffentlichung des ersten World Happiness Report sind über zehn Jahre vergangen. Maßgeblich für die Lebensqualität und das Glück sind der soziale Zusammenhalt, Gesundheit und Wohlstand.

Die Rangliste der glücklichsten Länder wird regelmäßig von einer Initiative der Vereinten Nationen publiziert. Die Grundlage dafür bildet eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Gallup. Das Institut befragt in knapp 150 Ländern jedes Jahr rund um die Welt jeweils rund 1.000 Männer und Frauen. In den Fragen geht es darum, wie die Menschen ihr eigenes Leben bewerten.

Die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft hat darüber berichtet, wo die Menschen am glücklichsten sind: „Finnland, Dänemark und auch Schleswig-Holstein belegen auf den Ranglisten der Glücksforschung regelmäßig die vorderen Plätze.“ Auch, Island, Schweden und Norwegen liegen in dem Ranking der Vereinten Nationen traditionell unter den Top Ten.

In den nordischen Ländern ist eine weitaus höhere allgemeine Zufriedenheit mit den Lebensumständen festzustellen, als in anderen Regionen dieser Welt. Dazu sagt der Glücksforscher Uwe Jensen, Professor für Statistik und Ökonometrie an der Universität Kiel: „Das Glückserleben schwankt; Zufriedenheit ist dagegen unabhängiger von kurzfristigen Einflüssen“. Jensen nennt die Glücksspender im Alltag, dazu gehören: Zeit mit Menschen verbringen, Bewegung, Natur erleben und Gutes tun.

In den verschiedenen Bundesländern Deutschlands gibt es Unterschiede bei der Lebensqualität: Während Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und das Saarland noch deutlichen Nachholbedarf auf der Glücksskala haben, gehören die Bewohner von Schleswig-Holstein und Bayern zu den glücklichsten Bundesbürgern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Hamburg, und Branden-burg. Mittlere Plätze belegen Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Bremen.

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Tiefststand bei Baugenehmigungen, Stornierungen im Wohnungsbau

Dem hohen Bedarf an Wohnungen steht in Deutschland kein ausreichendes Angebot gegenüber. Der Wohnungsneubau wird auf absehbare Zeit auch keine Abhilfe schaffen können. Stark gestiegene Baupreise und hohe Hypothekenzinsen sind für viele unbezahlbar geworden. Abstriche bei den Wohnwünschen sind die Folge.

Wer derzeit eine neue Wohnung braucht, muss möglicherweise umdenken. Viele Interessenten können sich Immobilieneigentum unter den neuen Finanzierungsbedingungen nicht mehr leisten. Sie suchen stattdessen eine Wohnung zur Miete. Dadurch steigt die ohnehin schon große Mietnachfrage in den Städten weiter und zieht Mietsteigerungen nach sich.

Schon im Bau oder noch in der Projektphase befindliche Bauvorhaben werden derzeit verzögert oder sogar gestoppt, weil sie nicht mehr finanzierbar sind. Aus einer Umfrage des ifo Instituts geht hervor, dass 14,3 Prozent der Unternehmen im Februar abgesagte Aufträge meldeten, nach 13,6 Prozent im Januar. Das ist ein Desaster, weil Neubauten die Lage entspannen könnten. „Im Mittel sind die Auftragsbücher zwar immer noch gut gefüllt, aber etliche Unternehmen klagen bereits über einen Auftragsmangel“, sagt ifo-Forscher Felix Leiss.

Die Zahl der Baugenehmigungen sank Anfang 2023 auf einen absoluten Tiefststand: Im Januar 2023 wurden in Deutschland 21.900 Wohnungen genehmigt. Das waren laut statischem Bundesamt 26,0 Prozent oder 7.700 Baugenehmigungen weniger als im Vorjahresmonat. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Baugenehmigungen kontinuierlich. Im Januar 2010 lag sie noch bei monatlich 12.200, erreichte im Dezember 2019 den Höhepunkt von 42.000, um danach auf 21.900 Tausend im Januar 2023 abzufallen. Diese Entwicklung läuft den Zielen der Bundesregierung deutlich zuwider, die ursprünglich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr anstrebte.

Eine neue Difu-Studie zeigt, dass Kommunen zunehmend städtebaurechtliche Instrumente einsetzen, um dem Wohnungsmangel zu begegnen. „Diese anspruchsvolle Aufgabe braucht einen lan-gen Atem (…) und nicht zuletzt innovative Bauherren“, kommentiert Difu-Projektleiterin Ricarda Pätzold. Eine schnelle Lösung ist derzeit wohl eher nicht in Sicht.

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EU-Sanierungspflicht stößt auf geteiltes Echo

Der EU-Rat hat sich auf eine Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden verständigt. Die Hauptziele der Überarbeitung bestehen darin, dass alle neuen Gebäu-de spätestens 2030 Nullemissionsgebäude sein sollen und dass alle bestehenden Gebäude bis 2050 in Nullemissionsgebäude umgebaut werden sollen.

Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten müssen den Plänen noch zustimmen. Darum geht es: Der Gebäudesektor ist von entscheidender Bedeutung für die Verwirklichung der Energie- und Klimaziele der EU für 2030 und 2050. Bessere und energieeffizientere Gebäude sollen die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger verbessern, gleichzeitig ihre Energiekosten senken und die Energiearmut verringern.

Ab 2030 sollen alle neuen Gebäude Nullemissionsgebäude sein. Für einige Gebäude sind Aus-nahmen möglich. Für bestehende Gebäude haben sich die Mitgliedstaaten darauf geeinigt, Mindestvorgaben für die Gesamtenergieeffizienz einzuführen, die der maximalen Menge an Primärenergie entsprechen, die Gebäude jährlich pro Quadratmeter verbrauchen können.

Dies soll Renovierungen anstoßen und dazu führen, dass es mit der Zeit keine Gebäude mit der schlechtesten Gesamtenergieeffizienz mehr gibt. Der durchschnittliche Primärenergieverbrauch eines Wohngebäudebestands soll bis 2033 mindestens dem Niveau der Gesamtenergieeffizienzklasse D entsprechen, bis 2040 mindestens einem noch zu bestimmenden nationalen Wert und bis 2050 soll ein Nullemissionsgebäudebestand erreicht sein. Das Potenzial aller Gebäude zur Erzeugung von Solarenergie soll optimiert werden. Nationale Gebäuderenovierungspläne sollen einen Fahrplan mit Zielen für 2030, 2040 und 2050 vorgeben.

Der Mieterbund begrüßt eine sozialverträgliche Ausgestaltung der neuen Richtlinie. Sie habe „das Potential, Energiearmut zu verringern und bezahlbares Wohnen für alle Einkommensgruppen zu gewährleisten“. Der IVD Bundesverband der Immobilienberater sieht die geplante Richtlinie skeptischer: Es stehe die Befürchtung im Raum, dass hohe Sanierungskosten auf viele Hauseigentümer zukommen könnten. Der Eigentümerverband Haus & Grund warnt vor einem dramatischen Wertverlust bei älteren Gebäuden.

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Mehr Kompromisse beim Immobilienkauf

Die drastischen Ereignisse – Pandemie, Krieg, Inflation und Energiekrise – der vergangenen Jahre haben deutliche Spuren auf dem Immobilienmarkt hinterlassen. Die Präferenzen von Kauf- und Mietinteressenten haben sich verändert. Das wichtigste Kriterium bei der Immobiliensuche ist jetzt der Preis und nicht mehr die Lage.

Die Online-Umfrage eines Maklernetzwerkes ergab, dass die Lage einer Immobilie während der Pandemie bei 65,6 Prozent der Befragten das wichtigste Entscheidungskriterium war. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich das geändert: Jetzt ist bei 61,8 Prozent der Befragten der Kaufpreis am wichtigsten.

Während vor der Pandemie die meisten Kaufinteressenten Immobilien in der Stadt suchten (54,7 Prozent), ist seit der Pandemie das Umland mit 55,7 Prozent die begehrteste Region bei der Immobiliensuche geworden. Die Nachfrage nach Wohneigentum auf dem Land lag vor der Pandemie bei nur 6,6 Prozent, während der Pandemie stieg das Interesse auf 17,9 Prozent, aktuell liegt der Wert bei 15,1 Prozent

Gewichtige Ursachen für die Verschiebungen auf dem Immobilienmarkt sind die stark gestiegenen Zinsen und die inflationsbedingt hohen Lebenshaltungs- und Energiekosten. Daraus resultierte zuletzt eine gewisse Kaufzurückhaltung bei Immobilien. Viele zögern, wägen ab und müssen neu kalkulieren. Dennoch bleibt der Wunsch nach eigenen vier Wänden ungebrochen.

Viele Immobilieninteressenten sind nun zu Kompromissen und Abstrichen bereit. Die Kompromissbereitschaft betrifft aber nicht nur Kaufwillige, die unter den neuen Bedingungen keine großen Sprünge machen können, sondern auch Verkaufende. Wer jetzt eine Immobilie verkaufen will, muss sich – was den Erlös angeht – den neuen Gegebenheiten anpassen.

Die Umfrageergebnisse werden durch eine Analyse des IVD bestätigt. „Die neue Realität am Immobilienmarkt in den deutschen BIG 7 ist durch ein größeres Objektangebot und längere Vermarktungszeiten gekennzeichnet“, berichtet Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. Im Jahresvergleich nahm das Immobilienangebot im Januar 2023 im Durchschnitt der sieben größten Städte um 33 Prozent zu. Käufer stoßen auf ein erheblich größeres Angebot und haben die Chance, Immobilien zu erwerben, “die noch im Jahr 2021 nicht erreichbar waren”.

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Mobilitätsmonitor: Bevölkerung nimmt Klimaschutz ernst

Mobilität und Wohnen sind ein Tandem, wenn es um Klimaschutz und Wohnqualität geht. Wohnviertel mit wenig Autoverkehr nützen sowohl dem Klima als auch dem Wohnen: Sie sind kinderfreundlich und altersgerecht – und sie beeinflussen den Wert von Immobilien positiv.

Die Ergebnisse aus dem acatech Mobilitätsmonitor, einer Allensbach-Umfrage im Auftrag der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften sind eindeutig. Die Erhebung zeigt Veränderungsbereitschaft bei den Menschen, aber auch Vorbehalte – mit deutlichen Unterschieden zwischen Stadt und Land, Ost und West, wohlhabend und arm.

Unter den wichtigsten Hebeln für den Klimaschutz nennen die Deutschen vor allem Veränderungen im Verkehr: Dem Ausbau des ÖPNV stimmen 71 Prozent zu. Das 49-Euro-Ticket wird von einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Befragten positiv bewertet. Jede und jeder vierte kann sich den Kauf eines E-Fahrzeugs vorstellen.

Der Pkw ist nach wie vor mit Abstand das wichtigste Verkehrsmittel: 47 Prozent nutzen das Auto täglich, weitere 23 Prozent mehrmals in der Woche; das Fahrrad wird von 18 Prozent täglich genutzt, von weiteren 25 Prozent mehrmals in der Woche. Das Fahrrad wird von immer mehr Menschen häufig genutzt, während die Nutzung des Autos leicht rückläufig ist.

Für 72 Prozent der Bevölkerung ist das Auto unverzichtbar. 23 Prozent der Pkw-Nutzenden sehen den öffentlichen Nahverkehr als ernsthafte Alternative für ihr Fahrzeug. In Ostdeutschland sind es mit 17 Prozent noch weniger. In Dörfern ist dieser Wert mit 14 Prozent am niedrigsten – doch auch in Großstädten sind Bus und Bahn nur für 30 Prozent eine ernsthafte Alternative. Jedoch gibt es eine beachtliche Bereitschaft, verstärkt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, wenn die Angebote preislich und von der Taktung her attraktiver werden. 48 Prozent der Bevölkerung sowie 52 Prozent der regelmäßigen Nutzer halten den ÖPNV zurzeit für teuer. Das 49-Euro Ticket begrüßen 64 Prozent der Befragten.

Eine Mehrheit ist überzeugt, dass sich in den kommenden zehn Jahren der Elektroantrieb durchsetzt, aber nur 22 Prozent halten das für wünschenswert. 68 Prozent glauben, dass wir in zehn Jahren immer mehr von zu Hause oder unterwegs arbeiten – aber nur 36 Prozent wünschen es.

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Ihre Rechte bei Schimmelbefall

Fliegenpilze sind giftig, das weiß jedes Kind. Auch Schimmelpilz an den Wänden schadet der Gesundheit. Das sollten vor allem diejenigen beherzigen, die in diesem Winter besonders sparsam geheizt und damit die Schimmelbildung in der Wohnung begünstigt haben.

„Wer die Heizung komplett abstellt, riskiert zu hohe Feuchte in den Wohnräumen, die zu Schimmel an den Wänden und in den Raumecken führt“, warnt der Sachverständigenverband BVS.

„Bei Raumtemperaturen unter 18 Grad sehen wir bereits die Gefahr von Schimmelbildung.“ Um Schimmel vorzubeugen, ist laut BVS eine gleichbleibende Raumtemperatur entscheidend: „Die Raumluft konstant bei rund 18 bis 22 Grad zu halten, ist energiesparender und günstiger, als die Heizkörper permanent an- und auszudrehen“, weiß Christiane Herget, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Schimmelpilze. Die Expertin empfiehlt, mindestens zwei bis drei Mal täglich zu lüften: „Das ist wichtig, um Feuchtigkeit aus der Raumluft abzuführen.

Bei Mietwohnungen stellt sich die Frage, wer sich um die Beseitigung des Schimmels kümmert und wer sie bezahlt. Oft schieben sich Vermieter und Mieter gegenseitig die Verantwortung zu.

Mieter müssen durch Heizen und Lüften Schimmel vorbeugen.

Stiftung Warentest rät Mietern und Mieterinnen, dem Vermieter den Schimmelbefall umgehend zu melden und ihn zur Beseitigung des Schimmels und der Schimmelursache aufzufordern – aber ausdrücklich nur, wenn sicher ist, dass sie selbst alles unternommen haben, um Schimmel vorzubeugen.

Vermieter haften nur, wenn der Schimmel auf den Zustand des Gebäudes – etwa Risse in der Wand – zurückzuführen ist, und der Mieter die Schimmelbildung durch zumutbares Heizen und Lüften nicht verhindern konnte.

Wer die Miete mindern will, sollte sich unbedingt rechtlich beraten lassen. Der Gesamtbetrag aller Kürzungen darf eine Monatsmiete nicht überschreiten, sonst droht die Kündigung, falls der Schimmel vom Mieter selbst verursacht wurde. Im Fachhandel gibt es eine Reihe wirksamer Schimmelentferner. Lassen Sie sich auch in diesem Fall beraten.

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So wirken sich die hohen Finanzierungszinsen aus

Für viele Immobilieninteressenten fühlte sich das vergangene Jahr krisengetrieben an. Im Immobilien- und Baufinanzierungssektor sorgten rapide steigende Bauzinsen für einen drastischen Umbruch. Die Zinswende machte sich schleichend durch leicht sinkende Immobilienpreise zum Jahresende 2022 in einigen Regionen bemerkbar.

Doch trotz Energie-, Inflations- und Klimadilemma war der Wunsch nach den eigenen vier Wänden auch 2022 ungebrochen. Das zeigt eine Untersuchung des Kreditvermittlers Dr. Klein. Wer im letzten Jahr seinen Wunsch realisiert hat, sah sich allerdings nicht nur mit hohen Immobilienpreisen konfrontiert. Durch enorme Zinsanstiege waren auch Baufinanzierungen teurer geworden. Bundesweit drehen Darlehensnehmer daher merklich an der Summe, die sie für ihr Eigenheim aufnehmen: Im Vergleich zum Vorjahr sank die durchschnittliche Kreditsumme um fünf Prozent von 388.220 Euro auf 370.670 Euro.

In Hamburg war 2022 der deutlichste Rückgang bei der Entwicklung der Darlehenshöhe zu beobachten: minus acht Prozent zum Vorjahr. Dennoch werden hier nach wie vor die höchsten Kreditsummen für Eigentum aufgenommen. Ein Bundesland verzeichnet im gesamtdeutschen Vergleich dagegen einen deutlichen Anstieg bei der Darlehenshöhe: Thüringen. Das Finanzierungsvolumens erhöhte sich dort von 272.700 Euro im Jahr 2021 auf 284.420 Euro im Jahr 2022.

Laut Qualitypool GmbH ist im Anschluss an die jüngsten Zinsentscheidungen von EZB und Fed erst einmal Ruhe eingekehrt. Die Anleihen- und Zinsmärkte haben sich beruhigt. Die jüngste Entscheidung der Europäischen Zentralbank entsprach den Erwartungen, der Leitzins wurde Anfang Februar um 50 Basispunkte auf 3,0 Prozent angehoben.

Es könnte jetzt eine Zinspause folgen, in der die Europäische Zentralbank die Wirkung ihrer Maßnahmen analysiert. Das müsse aber nicht der Fall sein, falls keine deutlichen Erholungstendenzen der Verbraucherpreise absehbar sind. Im Januar ist die Inflation in Deutschland mit 8,7 Prozent höher ausgefallen als erhofft. Ein Zeichen dafür, dass die geldpolitischen Maßnahmen noch nicht im erwünschten Maß greifen. Die angestrebte Kerninflation von 2,0 Prozent liegt noch in weiter Ferne. Fazit laut Qualitypool: Die Bauzinsen verharren im verhaltenen Seitwärtstrend.

(Foto: © Steve Buissinne, Pixabay)

Strengere Regeln für Heizungen

Wer eine alte Heizung betreibt, muss diese unter Umständen austauschen. Der Gesetzgeber hat ein Betriebsverbot für Ü-30-Heizungen verfügt. Die neuen Regeln dienen dem Klimaschutz und sollen zu einem geringeren Energieverbrauch führen. Außerdem wird die Überprüfung von Gasheizungen für viele Immobilieneigentümer im Jahr 2023 zur neuen Pflicht.

Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sollten prüfen, ob ihr Heizkessel vor 1993 ein-gebaut wurde. Gesetzlich festgelegt ist die neue Modernisierungsregel im Gebäudeener-giegesetz. Fachleute raten dazu, bereits deutlich vor der gesetzlichen Verpflichtung einen konkreten Plan zu entwickeln, wie man auf klimafreundliche Heizungen mit erneuerbaren Energien umsteigen kann. Insgesamt sind sie günstiger als fossil betriebene Heizungen.

Heizungen, die älter sind als 30 Jahre, sind in der Regel so ineffizient, dass sie nicht nur das Klima, sondern auch den Geldbeutel belasten. Ausnahmen gelten für Niedertemperatur-Heizkessel und Brennwertkessel. Wer in einem Gebäude mit weniger als drei Wohneinhei-ten eine Wohnung zum 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, darf die Heizung weiter betrei-ben. Bei einem Eigentümerwechsel tritt die Austauschpflicht dann innerhalb von zwei Jah-ren nach Kauf in Kraft.

Im Jahr 2023 steht in vielen Wohngebäuden mit Gasheizungen eine Heizungsprüfung an. Für Häuser ab zehn Wohneinheiten muss die Überprüfung der Gasheizung bis zum 30. Sep-tember erfolgen. Zeigt die Untersuchung Mängel auf, muss die Heizung optimiert werden. Auch ein hydraulischer Abgleich ist vorgeschrieben, sofern er noch nicht durchgeführt wurde.

Für Wohngebäude unter zehn Wohneinheiten mit einer Gasheizung gilt der 15. September 2024 als Stichtag. Bei weniger als sechs Wohneinheiten ist der hydraulische Abgleich nicht verpflichtend.

Angesichts der gestiegenen Gaspreise und Unsicherheiten bei der Versorgung wollen immer mehr Haushalte weg von der alten Gasheizung. Folge: Der Absatz von Heizungswärmepum-pen stieg im Jahr 2023 auf 236.000 Geräte und damit um 53 Prozent gegenüber dem Vor-jahr.

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Familien in der Stadt wohnen oft zu beengt

Leben in der Puppenstube: Jede dritte Familie in der Großstadt wohnt in einer zu kleinen Wohnung und sechs Prozent aller Mieterhaushalte in Metropolen wohnen beengt. Familien und Menschen mit Migrationshintergrund sind davon häufiger betroffen als andere. Gleichzeitig leben in etwa genauso viele Menschen in besonders großen Wohnungen.

In Deutschland herrscht seit Jahren ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Neueste Zahlen des IW-Institutes in Köln zeigen, dass etwa sechs Prozent der Mieterhaushalte in Großstädten in beengten Verhältnissen leben, also weniger Räume zur Verfügung haben, als es Bewohner gibt.

Gleichzeitig wohnen ebenfalls sechs Prozent der Mieterhaushalte in großzügigen Wohnungen. Als großzügig gilt eine Wohnung, wenn die Zahl der Räume die der Bewohner um drei übertrifft. In großzügigen Wohnungen leben vor allem ältere Bestandsmieter. Viele ziehen auch dann nicht in kleinere Wohnungen, wenn die Kinder das Haus verlassen oder der Partner verstirbt. Denn für viele Bestandsmieter mit Altverträgen ist es günstiger, in einer größeren Wohnung zu bleiben, als in eine kleinere Wohnung mit teurerem Neuvertrag umzuziehen.

Mietende können nach der Wende am Immobilienmarkt nicht mehr so leicht ins Wohneigentum ausweichen. Inflation, Energiekrise und hohe Zinsen haben dem Immobilienmarkt stark zugesetzt. Auch Menschen mit hohen Einkommen können sich im Vergleich zu Anfang 2022 kaum noch Immobilien leisten. Wer Ende 2022 als Paar ein Medianeinkommen, also rund 3.730 Euro netto hatte und ein Einfamilienhaus kaufen wollte, konnte sich lediglich 28 Prozent der angebotenen Objekte leisten. Anfang des Jahres waren es noch 40 Prozent gewesen. Selbst Haushalte mit hohem Einkommen mussten sich beschränken: Für das einkommensreichste Fünftel der Gesellschaft waren mit 47 Prozent nicht einmal die Hälfte der inserierten Einfamilienhäuser bezahlbar – zu Beginn des Jahres waren es noch 62 Prozent. Paare im einkommensreichsten Fünftel verdienten rund 5.000 Euro netto.

Nutzbare Wohnfläche sei eigentlich da, sagt der Architekt Florian Fischer-Almannai in einer Sendung von Deutschlandfunk Kultur, man müsse sie nur wieder effizienter nutzen. Er fordert eine Offensive des Umbaus und des besseren Nutzens von vorhandenem Wohnraum.

(Foto: © NoName13, Pixabay)

Neue Eigentumsförderung für Familien

Die Bundesregierung will die Wohneigentumsförderung für Familien wieder einführen. Das entsprechende KfW-Programm werde voraussichtlich ab ersten Juni starten, sagte die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Klara Geywitz, in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“.

Pro Jahr sollen dafür 350 Millionen Euro zur Verfügung stehen, die über zinsgünstige Kredite weitergegeben werden. Förderberechtigt sind Familien mit einem Jahreseinkommen von bis zu 60.000 Euro, plus 10.000 Euro für jedes Kind. Gefördert werden sollen nur Neubauten zur eigenen Wohnnutzung, die mindestens den Standard klimafreundliches Gebäude (KFG) Basisstufe erfüllen.

Der Wohnungsbau, insbesondere der Einfamilienhausbau hatte mit der Einführung des Bau-kindergeldes eine Sonderkonjunktur erfahren, die mit dem Auslaufen der Förderung zu-sammenbrach. Klara Geywitz kann jedoch „keinen direkten Zusammenhang erkennen zwi-schen Zuschüssen und Fertigstellungen“. Milliardensummen im Neubaubereich, die über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ausgezahlt wurden, hätten sich überhaupt nicht in steigenden Fertigstellungen niedergeschlagen.

„Der Einbruch der Wohnungsbauzahlen im vergangenen Jahr ist auch das Ergebnis einer Politik, die sich gegen das Eigenheim richtet“, sagt dagegen der Geschäftsführer des Bau-herren-Schutzbundes, Florian Becker. Viele widersprüchliche Signale verunsicherten private Bauherren in der aktuellen Situation.

Tatsächlich ist die Fördersumme von insgesamt 350 Millionen Euro im Jahr für die Eigen-tumsförderung angesichts der durch die Inflation bedingte deutliche Verteuerung der Bau-kosten und die drastische Erhöhung der Bauzinsen sehr niedrig.

Die Regierungskoalition setzt ihren Schwerpunkt sichtbar nicht auf den Bau von Eigenhei-men auf der grünen Wiese, sondern möchte dem Bau von bezahlbaren Wohnungen und So-zialwohnungen den Vorzug geben, weil die am dringendsten gebraucht würden. Laut aktuel-ler Wohnungsbaustudie des Pestel Instituts fehlen in Deutschland über 700.000 Wohnungen.

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